38
cinleuchtct.“ — Er verweist dabei auf die Ausführungen vonDiotzel (System der Anleihen).
Es ist eigentümlich belehrend für das Maß der Ungewissheitauf diesem Gebiete, dass diese Sätze, in denen Roscher die Fertig-keiten und Kenntnisse der Menschen sowie den Staat als Kapitalerklärt, sich in der ersten Auflage nicht finden, erst später hinzu-gekommen sind; während umgekehrt Schiifflo in der zweiten Auf-lage seines Lehrbuches gegen eine Auffassung polemisiert, wie er sieselbst in dor ersten Auflage mit den Worten (S. 47) verkündethatte: „Als persönliches Kapital hat L. Stein die Summe der fürdie Produktion ausgebildeten persönlichen Kräfte in den Kapital-begriff mit aufgenommen. Wir glauben mit Recht, soweit dieselbenproduktive Zweckbestimmung haben. Erwähnt seien auch größereVerhältnisse des geselligen Zusammenlebens: Friede, Recht, National-chre, Nationalsicherheit, welche man neuerdings als im materiellesVolkskapital hervorgehoben hat (so Dietzel). Sofern sie durchden Staat erzeugt und erhalten dem Produktionszweck dienen, istihnen Kapitaleigenschaft auch mit Fug nicht abzusprechen.“
Es ist immerhin doch ein Mitglied der Akademie der mora-lischen und politischen Wissenschaften zu Paris , welches (Seanceset travaux de l’acad. 18(54, XVII, 271) auch die Tugend für einKapital erklärt, weil sie die Sparsamkeit befördere. Das ist dennfreilich auch eine Handreichung zurück zum alten Demosthenes,der, wie Roscher (§ 42 n. 1) berichtet, schon „den Begriff desKapitales auch auf das unkörperliche Kapital des guten Rufes an-wendete. “
Das Vorstehende muss genügen, um für jeden Unbefangenendie Thatsache festzustellen, dass in der Nationalökonomie der Gegen-stand, an welchen bei dem Terminus Kapital gedacht werden soll,von Anfang au und dauernd unsicher geblieben ist, und dass Nie-mand — weder Turgot noch Adam Smith, weder Say nochMill, weder Hermann noch Rau oder Roscher, weder Macleodnoch Stein oder Schäffle u. s. w. zu der Erklärung berechtigterscheinen kann: seine Bestimmung des Kapitales sei „das Kapital“in der Volkswirtschaftslehre, seine Analyse sei die richtige und dieanderweitigen seien falsch.