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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
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weiter gehen dann in dieser Richtung die Urteile Derer vor, welchewie Dietzel, Schäffle, mit prinzipieller Tendenz erklären, dassdie Kapitaleigenschaft der Güterkeine natürliche sei, sonderndem Gegenstände durch den wirtschaftenden Menschen erst verliehenwerde, wie auch entzogen werden könne. Kapital seietwas nurim Geiste des Menschen Begründetes, durch den Willen desselbenHervorgerufenes im Grunde nichts, als eine bloße Abstraktion.

Dürfen wir uns nun wundern, wenn Jemand mit größtem Er-staunen ausruft:Wie? Kapital wäre jeder tauschwertige Gegen-stand, jedes Gut, wenn wir ihm nur eine produktive Zweckbeziehunggeben wollen? Kapital soll im Grunde genommen eine bloße Ab-straktion sein? Das kann doch unmöglich derjenige Gegenstandsein, um den es sich in dem wirtschaftlichen Leben der Völkerhandelt! Wie könnte jenesKapital eine soziale Frage anregen,Streitgegenstand zwischen ganzen Klassen, Inhalt einer Forderungder Arbeiter an den Staat werden? Wenn die Nationalökonomienicht umhin kann, irgend Etwas als Kapital zu bezeichnen, was nureventuell je nach dem Willen und der Vorstellung der Menschenda ist oder nicht da ist, sich nur unter einem besonderen Sehwinkelpräsentiert, dann möge sie doch jener wuchtigen Realität einen neuenNamen zusprechen.

Dass trotz alledem auch angesehenste Schriftsteller das Ka-pital ganz der Vorstellungs- und Willens-Sphäre des Menschen an-heimgestellt finden, muss einen allgemeineren Untergrund haben.Dieser ist wirklich vorhanden und sobald wir ihn einmal erkannthaben, ist uns auch die hier vorliegende Erscheinung vollkommenverständlich.

In der älteren Nationalökonomie handelte es sich in der Haupt-sache mehr um eine Naturbeschreibung vereinzelter Gegenstände,Kräfte und Vorgänge, dann aber insbesondere um eine Art vonLebensbeschreibung der wirtschaftlichen Güter. Es wurde dargelegt,wie diese für uns gegenständlichen Objekte ins Dasein treten, voneinem Besitzer zum andern wandern,zirkulieren, sich verteilen,als Genussgüter ihr Dasein beschließen, oder als Produktionsgüterweitere Phasen durchmachen. Die Menschen blieben im Hinter-gründe oder kamen alsein Faktor, ein Element der Produktion