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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
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anheimgegeben sein soll, ob ein Gut als Kapital fungieren soll odernicht? Wenn Jemand zu einer gegebenen Zeit überhaupt nur soviel Güter hat, als er für seinen Lebensunterhalt unvermeidlichverbrauchen muss, so kann er diese Güter er mag sie z. B. inder Form von Brot oder von einer bezüglichen Geldsumme besitzen nicht alsKapital verwenden, sofern er überhauptein Menschmit Zweckbewusstsein ist. Er würde als unzurechnungsfähigesGeschöpf zu Grunde gehen, oder von Andern bevormundet werdenmüssen, wenn er in solcher Lage sein Geld oder Brot alsPro-duktionsmittel verwenden wollte. Von hier aus begreift manvielleicht am Unbefangensten, weshalb, ich möchte beinahe sagen,alle anderen Menschen ohne jeden Glauben die Botschaft hören,nach den Forschungen der Nationalökonomie sei Kapital nichts Be-sonderes, sondern jeder Tauschwertgegenstaud, jedes Gut in seinerproduktiven Zweckbeziehung, nichts Reales, sondern eine bloße Ab-straktion.

Ich bekenne unbedenklich die Zuversicht, dass auch der hierfragliche zweite Hauptsatz mit der Zeit eine unbestrittene Anerken-nung finden wird. Es wird später als ausgemacht gelten, dass derGegenstand des Wirtschaftslebens, welchen die Nationalökonomieunter der Bezeichnung des Kapitales zu erfassen sucht und behan-deln muss, wenngleich, wie überhaupt die wirtschaftlichen Güter,in betreff des Gebrauches den Willensbestimmungen des Menschenunterworfen, doch zugleich realer Kennzeichen nicht entbehrt, auchobjektiven Voraussetzungen unterstellt ist.

Worin aber werden diese nun belegen sein? Allge-meine Übereinstimmung über die Antwort auf diese dritte, ab-schließende Frage ist, wie mir scheint, auf dem Wege eines zuneh-menden Anschlusses an irgend eine der oben dargelegten Meinungenüberhaupt nicht zu erwarten.

In der Hauptsache sind nämlich von Anfang an und seitdemununterbrochen, und zwar ebensowohl in dem Sprachgebrauch desmodernen Lebens und in den Vorstellungen derPraktiker, wie inden Arbeiten der Wissenschaft, Begriffe aus zwei disparaten, un-mittelbar für einander indifferenten Vorstellungsbezirken welcheBegriffe einander nicht subordinierbar sind, sondern eventuell nur