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halb des „Kapitales“ oder neben dieses zu stellen seien, kontroverszu erhalten.
Es lässt sich leicht ermessen, dass dieser Stand der Lehre vomKapital auch über anderweitige Bezirke der Nationalökonomie seineSchatten werfen muss. Vor Allem aber ist die Lehre vomKredit unmittelbar und durchweg ins Mitleiden gezogen. Es giebtwohl kaum einen bedeutenderen Schriftsteller über den Kredit, derdie enge Beziehung zwischen Kapital und Kredit miskannt hätte.Nun ist zwar gerade wieder in neuester Zeit aus den Reihen Der-jenigen, welche das Wesen des Kapitales mit den Produktionsmittelnin Verbindung bringen, erklärt worden, dass eben damit auch diefür die Lehre vom Kredit überhaupt erforderliche Basis gewonnensei. Das ist aber zweifellos eine Irrung, so sehr, dass nicht ein-mal die Entstehung eines Kreditgeschäftes ohne Bezug-nahme auf einen für den Besitzer disponiblen Güter-vorrat erklärt werden kann. In diesem Zusammenhang wollees hingenommen werden, dass wir hier noch die nächstfolgende Er-örterung anreihen.
Es ist Grund und Zweck aller wirtschaftlichen Thätigkeit, wieBestimmung jedes wirtschaftlichen Gutes, die Befriedigung bezüg-licher Bedürfnisse des menschlich persönlichen Lebens herbeizu-führen. Das Leben der einzelnen Menschen aber ist etwas An-dauerndes, es erhält und bewegt sich durch aufeinanderfolgendeZeiträume. Es hat in seinem Verlaufe jeweils eine vergangene Zeit,in welcher es auch schon war, hinter sich; eine zukünftige, in deres auch sein wird, vor sich, während es sich „zur Zeit“ in derGegenwart befindet. Die es begleitenden Bedürfnisse nach wirt-schaftlichen Gütern werden jeweils gegenwärtige und verlangen prä-sent geworden eine präsente Befriedigung. Wir wollen den so inden aufeinanderfolgenden Zeitmomenten sich jeweils als gegenwärtiganmeldenden Bedarf den laufenden Bedarf nennen und in dem-selben Sinne von einer laufenden Befriedigung des (jeweils präsentgewordenen) Bedarfes reden.
Eine solche laufende Befriedigung jeweils gegenwärtig gewor-denen Bedarfes ist dem Menschen wegen seiner animalischen Natur-seite in betreff der zur Erhaltung des Lebens notwendigen Güter