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Das Geld : Darlegung der Grundlehren von dem Gelde, insbesondere der wirtschaftlichen und der rechtsgiltigen Functionen des Geldes, mit einer Erörterung über das Kapital und die Übertragung der Nutzungen / von Karl Knies
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den altrömischen Juristen technische Bezeichnung für die Nutzver-wendung der verbrauchlichen Güter, gegenüber dem Usus undUti bezüglich der unverbrauchlichen Güter, genau so, wie z. B.Salmasius (Diatriba de Mutuo, Lugduni Bat. 1640, S. 52) sagte:Quae non consumptae sunt res in eadem specie redduntur, quaosunt abusae, in eodem genere. Es bleibt aber doch ein gewaltigerUnterschied für unsere Frage, ob ich sagen muss: nach römischemRechte sollte der Eigentümer abgesehen von seinem Rechte zur Ver-äußerung ein seiner wirtschaftlichen Natur nach nicht verbrauchlichesGut, z.B. ein Haus, ein Zugtier, auch durch Auf brauch seiner Substanzwie ein verbrauchliches gebrauchen dürfen, also IIolz in dem Hausezum Heizen, das Zugtier zum Essverzehr, u. s. w., oder dass demEigentümer ausdrücklich ein Recht zur Zerstörung, zum Mis-brauch der Sache zugesprochen worden sei! Ich darf hinzufügen,dass es sich bezeichnender Weise hauptsächlich nur um die beson-dere Anwendung eines allgemeinen Rechtssatzes (Qui jure suoutitur neminem laedit) auf das Recht des Eigentümers handelt,wenn er im einzelnen Falle mit einer durch Rücksicht auf Schadenfür Andere nicht beschränkten Machtbefugnis ausgerüstet erscheinensoll. Es ist sehr bemerkenswert, dass an der einzigen Stelle desCorpus jur. civ., wo (in einem Reskript des Antoninus Pius) ganzgenerell und ausdrücklich das Eigentum eine unbeschränkte Be-fugnis illibata potestas genannt wird, dieses Recht so demHerrn zugesprochen, aber gleichzeitig und zwar einesteils zumSchutz derSache (nicht wegen eines andern Civis romanus) undandernteils im Interesse des Herrn gegenstandslos gemacht wird.')Die modernen Gesetzgebungen, welche solche generelle Erklärungen

) L. 2 de his qui sui vel al. iur. s. (1, 6): Verba rescripti Divi Pii sunthaec:Dominorum quidem potestatem in suos servos illibatam esse oportet neecuiquam hominum jus suum detrahi; sed dominörum interest, ne auxilium contrasaevitiam, vel famem, vel intolerabilem injuriam denegetur his, qui juste depre-cantur. Ideoque cognosce de querelis eorum, qui ex familia Julii Sabini ad sta-tuam confugerunt; et si vel durius babitos, quam aequum est, vel infami injuriaaffectos cognoveris, veniri jube ita ut in potestate domini non revertantur; qui simeae Constitutioni fraudem fecerit, seiet me admissum serius executurum. Divusetiam Hadrianus, setzt Ulpian hinzu, Umbriciam quandam matronam in quin-quennium relegavit, quod ex levissimis causis ancillas atrocissime tractasset.

Knies, Das Geld. II. Aufl. 9