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England und Deutschland, eine wirtschaftspolitische Studie : Festschrift zur Feier des Geburtstages... des Großherzogs Friedrich... / v. Schulze-Gaevernitz
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werden. Deutschland wird in einigen Jahrzehnten nicht nur weit bevöl-kerter, sondern, wie der Outlook wiederholt ausführte, auch wirtschaftlichebenso reich sein wie Grossbritannien 17 . Morgen wird ein unüberwindlichesGrossdeutschland seine Schatten über Europa hinaus werfen; heute gilt es,Kleindeutschland niederzuzwingen.

Die Lage wird dadurch verschärft, dass das Deutschland von heuteder britischen Seemacht breiteste Angriffsflächen darbietet. Zwar bestehtnicht die Gefahr der Aushungerung; denn Deutschland dürfte schwerlichmit England und Russland zugleich im Kriege sein. Wohl aber rechnetmancher Brite darauf, die deutschen Handelsschiffe und die deutschenKolonien ohne weiteres zu kapern. Diese Koloniendurch nichtsbeachtenswert als durch ihre Verteidigungslosigkeit 18 erscheinen ihm alsein Pfand, das wir ihm in die Hand legten. Sie sind gegenwärtig nichtmehr so wertlos, wie zu Bismarcks Zeiten. Schwerer noch wiegt der all-gemeine wirtschaftliche Rückschlag, den eine Blockade der deutschen Häfenim Gefolge haben würde. Die zweimonatliche Choleraquarantaine sollHamburg allein eine Summe von 250 Millionen Mk. gekostet haben 19 .Nach der Zusammenstellung des deutschen Reichsmarineamtes sind schongegen Ausgang der 90er Jahre gegen 70% des gesamten deutschen Aussenhandels über See gegangen 20 . Eine Blockade würde die deutscheVolkswirtschaft bis in die abgelegensten Winkel hinein erschüttern, ins-besondere die deutschen Geschäftsbeziehungen mit dem Auslande unter-binden, bei längerer Dauer zerschneiden. So sagte die Saturday Reviewnicht ohne Berechtigung:England ist das einzige Land, welches ohneGefahr für sich selbst und mit Sicherheit des Erfolges gegen Deutschland Krieg führen kann.

Angesehene Zeitschriften wie die National Review, die SaturdayReview und der Spectator haben es sich seit Jahren zur Aufgabe ge-macht, dasGermaniam esse delendam den Gehirnen ihrer Leser ein-zuhämmern. Einige Beispiele sind nicht überflüssig:Eine Menge kleinerStreitfragen hat die grösste Kriegsursache aufgebaut, welche die Welt je