Schweinitz zuerst in intimere Fühlung mit Bismarck ,und man kann sagen, daß sie der Ausgangspunkt seinerspäteren glänzenden Laufbahn waren. Hier erweiternsich seine Interessen, bisher überwiegend militärische,in der Richtung der großen Politik. Er wurde zumSchüler Bismarcks, dessen Absichten er später anwichtigen Stellen zu vertreten hatte, den er stets be-wunderte, aber keineswegs immer zustimmend be-urteilte.
Schweinitz war sodann einige Jahre Adjutantbeim späteren Kronprinzen. Er bestätigt, daßwir 1859 im Mai und Juni uns zum Kriege gerüstethatten, da der Entschluß des Prinzregenten feststand,den Österreichern zu Hilfe zu kommen, sobald Napoleonden Mincio überschritt. Also die italienische Einheitsollte damals ebenso verhindert werden, wie späterdie serbische! Während Bismarck, damals Gesandterin Petersburg, und auch einige Diplomaten liberalerRichtung sich gegen die Unterstützung Österreichs aus-sprachen, schrieb Moltke Denkschriften, die auch denBotschafter Schweinitz von der Notwendigkeit über-zeugten, daß die Mincio-Linie in den Händen Öster-reichs bleiben müsse. Es klingt heute merkwürdig,aber aus der reaktionären Einstellung der damaligenZeit verständlich, wenn Schweinitz hinzufügt: „Wennwir damals im Verein mit Deutschland und Österreich das Napoleonische Kaisertum niedergeworfen hätten,so würden wir eine erträgliche Stellung in Deutsch-land erlangt haben; freilich keine Suprematie wie jetzt,aber auch kein allgemeines Stimmrecht, keinen kirch-lichen Kampf und keine Verwirrung aller Begriffe vonSittlichkeit und Recht."
Bismarck erkannte damals, was er leider spätervergaß, daß die eigentliche Gefahr nicht in Paris, sondern in Wien zu suchen war.
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