Im Jahre 1861 wurde Schweinitz Militär-attache in Wien . Hier erlag er ganz dem Zauberdes Wiener Lebens und der vornehmen eleganten Ge-sellschaft, der aristokratischen Generale, der großenFamilien, welche eine Stellung einnahmen, die mit denbescheidenen Berliner Verhältnissen keinen Vergleichzuließ. Der ausgesprochen feudale Charakter des da-maligen Österreich entsprach seinem konservativenGeschmack und begründete eine auch in späterenJahren sich geltend machende Überschätzung diesesStaatswesens. „Denn ich war fest in dem Glauben,daß nur durch aufrichtiges Einverständnis mit Öster-reich der Kampf gegen die Revolution und die un-abweisbare Reform der Bundesverfassung zu gutemEnde geführt werden könnten.“ Aus Rücksicht aufdie Empfindlichkeiten des Wiener Hofes und aus Ab-neigung gegen das revolutionäre Italien war er gegeneinen Besuch des Kronprinzen am Turiner Hofe undwußte bei der italienischen Reise des Kronprinzen,den er begleitete, jede Berührung mit dem italie-nischen Königshause zu verhindern.
Dann sehen wir Schweinitz wieder als Adjutantbeim Kronprinzen von 1863 bis 1865. Als dasKronprinzliche Paar auf einer Reise durch die Alt-mark Schönhausen berührte, erwartete sie Bismarckzu Pferde an der Grenze seines Gutes. „Der Kron-prinz war kühl, aber höflich, während die Prinzessinden Gruß des Ministerpräsidenten kaum erwiderteund immer nach der anderen Seite hinsah, als erneben dem Wagen einhertrabte.“
Mit seiner Ernennung zum Militärbevoll-mächtigten in Petersburg, einer Stellung, dieer von 1865 bis 1869 innehatte, und die ihn in dauerndeFühlung mit dem Zaren brachte, beginnt die .eigent-liche politische Laufbahn des späteren Botschafters.
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