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AN DR. FRIEDRICH THIMME, BERLIN
S ehr geehrter Herr Doktor! Ihre freundlichenZeilen vom 28. vorigen Monats sind mir hierhernachgesandt worden und erlaube ich mir, dazu dasNachstehende zu bemerken:
Zunächst muß ich hervorheben, daß der Grey-Cambonsche Briefwechsel mit den englisch- russi-schen Marineverabredungen doch nichts zu tun hat.Mithin hätte der Reichskanzler, falls er mir nähere Mit-teilungen am 29. Juli 1914 über die englisch- russischenVerabredungen gemacht hat, den gedachten Brief-wechsel gar nicht zu berühren gebraucht. Meine da-malige Unterredung mit Herrn von Bethmann Hollwegwährte kaum eine halbe Stunde. Er beschränkte sich,wie ich bereits hervorgehoben habe, mehr auf all-gemeine Redensarten und Klagen über die russischenRüstungen und streifte nebenbei auch das Thema derrussisch - englischen Abmachungen, die bereits imMai im „Berliner Tageblatt" veröffentlicht wurden-Irgendwelche Tatsachen hat er mir nicht mitgeteilt,und der etwas pythische Ausdruck, ich sei „in großenZügen" orientiert worden, dürfte daher nicht zu-treffen, da seine Äußerungen weder Neues noch etwasPositives enthielten. Ich muß daher unbedingt be-streiten, daß der Reichskanzler am 29. Juni mir irgend-einen wichtigen Einblick gewährt hat.
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