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1 (1927)
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Fünfter Abschnitt

DER BALKANKRIEG

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 21. 7. 1913

V or der heutigen Sitzung besprach Sir E. Grey mitmir die gegenwärtige Lage auf dem Balkan undbezeichnete mir als seine Ansicht, daß die Balkan-staaten möglichst bald die Friedensbedingungenuntereinander vereinbaren sollten, die nachher derBilligung der Mächte zu unterwerfen seien. Er hoffeauf dieser Grundlage eine Einigung herbeizuführen,und glaube, daß auch Rußland dem zustimmen werde.Über die wesentlichsten Punkte glaube er, daßzwischen Wien und Petersburg Einvernehmen bestehe.

Was das Vorgehen der Türkei betreffe, so halte eres für notwendig, daß alle Mächte sich dahin einigten,daß die EnosMidia-Linie als Grenze festgehaltenwerde. Eine andere Frage aber sei, welche Mittel zurAnwendung kommen sollten, falls die Türkei nichtnachgebe, und Mächte sich gezwungen sähen, gegensie vorzugehen. Sollten alle Mächte sich für eineFlottenkundgebung aussprechen, so werde England sich nicht ausschließen. Es entstände aber dannwieder die Schwierigkeit, die Durchfahrt durch dieMeerengen zu erzwingen bezw. die Türkei zur Nach-giebigkeit zu veranlassen, falls die Flottenkundgebungunberücksichtigt bleibe. Vorläufig könne sie vielleicht

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