durch Vorenthaltung jeglicher Unterstützung in finan-zieller und anderer Richtung eingeschüchtert werden.
Bei der Sitzung regte der Minister dieselbe Fragean, unterließ aber zu sagen, daß England sich ge-gebenenfalls an einer Flottenkundgebung beteiligenwürde, und beschränkte sich darauf, uns aufzufordern,unsere Regierungen zu bitten sich über ihre An-sichten zu äußern.
Ich erklärte, annehmen zu können, daß meine Re-gierung der Auffassung des Ministers vollkommen bei-pflichte, daß ich aber glaubte, es genüge vorläufig,sich über die Frage Enos—Midia grundsätzlichzu einigen und Entscheidung über etwaige gewaltsameDruckmittel noch aufzuschieben, über deren Schwie-rigkeiten bei allen Regierungen wohl die gleiche Auf-fassung herrschen würde. Die Ereignisse auf dem Bal-kan hätten gezeigt, daß man dort auf überraschendeWendungen immer gefaßt sein müsse. Man könnedaher vorläufig die Flottenfrage noch hinausschiebenund abwarten.
Graf Benckendorff ließ jedoch durchblicken, daßseiner Regierung an schnellem und energischem Auf-treten der Mächte besonders gelegen sei, und beimeinen Kollegen besteht die Befürchtung, daß Ruß-land einseitig gegen die Türkei Vorgehen könnte.
Über die Sitzung wurde der nachstehende Wortlautvereinbart:
„Sir Edward Grey drückt die Meinung aus, daß diekriegführenden Staaten, Rumänien, Serbien, Griechen-land, Montenegro und Bulgarien , ermutigt werdenmüssen, ihre Bevollmächtigten zusammentreten zulassen, um den Feindseligkeiten ein Ende zu machenund die Bedingungen einer Übereinkunft betreffs derWiederherstellung des Friedens auszuarbeiten. DieAbmachungen für die Intervention werden der Prüfung
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