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1 (1927)
Entstehung
Seite
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WAHN, NICHT WILLE!

AUFZEICHNUNGEN VOM JANUAR 1915

I

F ürst Bismarck sagt in denGedanken und Erinne-rungen beim Kapitel über den Dreibund:Es istnicht Aufgabe des Deutschen Reiches, seine Unter-tanen mit Gut und Blut zur Verwirklichung von nach-barlichen Wünschen herzuleihen. Die Erhaltung derösterreichisch-ungarischen Monarchie als einer unab-hängigen, starken Großmacht ist für Deutschland einBedürfnis des Gleichgewichts in Europa , für das derFrieden des Landes bei eintretender Notwendigkeitmit gutem Gewissen eingesetzt werden kann. Mansollte sich jedoch in Wien enthalten, über diese Asse-kuranz hinaus Ansprüche aus dem Bündnis ableitenzu wollen, für die es nicht geschlossen ist. Fürst Bis-marck hatte also das Bündnis ausschließlich in defen-sivem Sinne gedacht, als Schutz gegen einen Angriffvon zwei Seiten, und um andererseits Österreich ,dessen Erhaltung ihm im Interesse des europäischenGleichgewichts nötig erschien, vor einem russischenAngriff zu sichern. Der Wortlaut des Vertrages be-stätigt diese Tendenz und nichts weist darauf hin, daßwir verpflichtet seien, unseren Bundesgenossen beieiner Politik zu unterstützen, die über den Rahmendes Vertrages hinaus kriegerische und abenteuerlicheZwecke verfolgt.

Fürst Bismarck hat andererseits ausdrücklich da-

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