vor gewarnt, einen „unheilbaren Riß“ zwischen Berlin und Petersburg eintreten zu lassen, „schon damit inWien nicht die Ansprüche wachsen, die man an dieDienste des deutschen Bundesgenossen glauben würdestellen zu können, erstens in Erweiterungen des casusfoederis, der sich nach dem veröffentlichten Text dochnur auf die Abwehr eines russischen Angriffs auf Öster-reich erstreckt, und zweitens in dem Verlangen, dembezeichneten casus foederis die Vertretung öster-reichisch-ungarischer Interessen im Orient und Balkan zu substituieren."
Der erste Kanzler wußte, daß die unbedingte Ver-tretung österreichisch - ungarischer Sonderinteressenauf dem Balkan durch uns zu einem unheilbaren Rißmit Rußland führen würde, und es ist bekannt, daß dieEnttäuschungen, die Rußland glaubte auf dem BerlinerKongreß von uns erlebt zu haben, zu einem Briefe An-laß gaben, den Kaiser Alexander II. an seinen von ihmhochverehrten Oheim richtete, der von Kriegsdrohun-gen nicht ganz frei war, und daß sich Kaiser Wilhelm veranlaßt sah, daraufhin in Alexandrowo dem Neffenzu einer Aussprache und Versöhnung Gelegenheit zubieten. Wiederholt haben sich die Beziehungen zuRußland später verschärft, und von militärischer Seitewurde auf den prophylaktischen Krieg gedrängt, daRußland in einigen Jahren „fertig“ sein würde, ohnedaß Bismarck sich veranlaßt sah, in diesem Sinne vor-zugehen. Er hat vielmehr gelegentlich erklärt, erhoffe, die Volksvertretung würde ihm für einen der-artigen Zweck die nötigen Mittel versagen, falls er siefordern sollte.
Unsere geographische Lage ließ es ihm ratsam er-scheinen, zwischen Österreich-Ungarn und Rußland gewissermaßen zu lavieren, das heißt zwar ersteres zuschützen, aber jeden Bruch mit Rußland zu vermeiden,