Es handelt sich für mich auch nicht um die Frage,ob er die bereits durch die Presse veröffentlichtenrussisch -englischen Verabredungen gestreift hat odernicht, sondern darum, ob er mir geheime unddemAuswärtigen Amte genau bekannte Tat-sachen, wie das englisch- französische Marine-abkommen, den Briefwechsel Sasonow-Benckendorffoder den Briefwechsel Grey-Cambon und ähnlicheszu meiner Kenntnis gebracht hat, wie es seinePflichtgewesenwäre. Auch wäre es sehr merk-würdig, wenn Herr von Bethmann Hollweg über eineso wichtige Unterredung keine Aufzeichnungen hinter-lassen hätte. Daß er, wie Sie meinen, mir deutlich zuerkennen gegeben hat, daß an den Veröffentlichungenüber die englisch - russischen Marineabmachungenetwas Wahres und Authentisches sein müsse, magrichtig sein, aber auch das nur andeutungsweise, undwie sie vieldeutig sagen, „in großen Zügen".
Beweise unter Namhaftmachung der geheimenQuellen habe ich niemals verlangt, wohl aber die ab-sichtliche Verheimlichung von Informationen fest-gestellt, die für meine Mission von größter Bedeutungwaren, wie die sämtlichen nach Kriegsausbruchin der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" ver-öffentlichten geheimen Aktenstücke. Sehr merk-würdig erscheint es mir auch, daß der berühmte Grey-Cambonsche Briefwechsel erst im Juni 1914 zurKenntnis des Auswärtigen Amtes gekommen seinsollte! Es ist jedenfalls auffallend, daß dieser Brief-wechsel, der im November 1912 stattfand, so langefür uns ein Geheimnis blieb, während der Brief-wechsel Benckendorff-Sasonow schon nach wenigenWochen bekannt wurde. Diese Tatsache würde jeden-falls ein höchst ungünstiges Licht auf das Funktio-nieren des geheimen Dienstes des Auswärtigen Amtes
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