Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
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Leider wurde aber trotzdem das Bündnis mit Öster-reich erneuert, und alles blieb eigentlich beim alten.

Die Stimmung gegen Österreich beleuchtet vonSchweinitz im Mai 1884 folgendermaßen.Ich habe inBerlin darauf hingewiesen, daß die übertriebene Zärt-lichkeit, welche seit vorigem Herbst an die Stelleunserer früheren vexatorischen Unfreundlichkeit ge-treten ist, die Russen zu dem Glauben verleitet, daßsie ihrer üblen Laune gegen Österreich Raum gebendürfen. Die nationale Agitation der Slawophilen,durch uns gelähmt, hat einer kirchlichen Platz ge-macht, welche sich gegen Österreich richtet.Nun gibt es in Rußland, wenn auch weniger in St,Petersburg als in Moskau und auf dem Lande, vielewohlhabende und einflußreiche Leute, welche dempolitischen Panslawismus wegen seines revolutionärenCharakters abhold, in Glaubenssachen kampfbereitund der Zustimmung der Volksmasse sicher sind. Diesist die Armee des Herrn Pobjedonoszew. Seit deräußerlich günstigen Gestaltung der Beziehungen Ruß-lands zu uns kommt die Gehässigkeit gegen Österreich-Ungarn in der Presse und in der Agitation unter denRuthenen zu stärkerem Ausdruck. Die freundlicheErwiderung, welche unser Entgegenkommen hierfindet, ist weniger in einer durchgreifenden Änderungder gegen uns gehegten Gesinnungen als in der Hoff-nung auf Lockerung unseres Einvernehmens mit derHabsburger Monarchie, welches heut notwendiger istals zu Lebzeiten Alexanders II., begründet. Warumdieses Einvernehmen so notwendig war, verschweigtallerdings der Verfasser, der doch eigentlich wissenmußte, daß das Habsburger Reich sich in völliger Ab-hängigkeit von üns befand und gar keinen anderenSchutz und keine andere Anlehnung finden konnte!

Man sieht ferner, wie Herr v. Giers immer be-

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