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1 (1927)
Entstehung
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monarchie, in der jeder einheitliche Staatsgedankefehlte, es sei denn der dynastische. Ein geistreicherFranzose sagte:L'Autriche est une unite gastro-nomique!" Auch war durch die Unterstützung derrussischen Orientpolitik für uns nicht die Gefahr einesZusammenstoßes mit Österreich oder mit einer anderenGroßmacht zu gewärtigen, wohl aber mußtenwir durch die Unterstützung Österreichs früher oder später in einen Konflikt mitRußland hineintreiben und letzteresaußerdem den Westmächten gefügigmachen.

Nach seinem Sturz hat Bismarck das Fehlerhafteseiner Russenpolitik wohl eingesehen und immerfortZurück zu Rußland undDurch dick und dünn mitRußland " gepredigt. Wenn auch später wieder eineAnnäherung bezw. Verständigung zwischen Rußland und Österreich erreicht wurde, so wurden damit nurGegensätze zeitweilig überbrückt, keineswegs aberbeseitigt!

Schon im November 1881 besprach Bismarck mitSchweinitz die Möglichkeit eines Krieges mit Ruß-land und Frankreich ! Bei dem völligen Mangel anReibungsflächen mit Rußland und der SchwächeFrankreichs war diese Hypothese ganz und gar un-wahrscheinlich, geradezu ungeheuerlich!

Daß selbst Alexander III. , der ungleich seinemVater nicht in den alten Traditionen aufgewachsenwar, trotzdem zu der Erkenntnis gelangte, daß dieaufrichtige Freundschaft mit Deutschland der Angel-punkt seiner Politik sein mußte, bestätigt Herrv. Giers (Minister des Äußern) dem Botschafterv. Schweinitz im September 1883.

Nach dem Tode Gortschakows wollte Bismarckwieder einlenken und sich gut mit Rußland stellen.

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