Der Minister schien mir geneigt zu sein, einen Teilder Inseln den Griechen zu überlassen. Was mit Maze-donien geschehe, erklärte er, sei ihm gleichgültig.
VJT sehe militärische Maßnahmen finden deshalb statt,weil Mobilmachung in Rußland so viel langsamer vorsich gehe als in Österreich und namentlich in Deutsch-land . Man müsse sich eben auf alle Fälle bereithalten.Herr Sasonow sei durchaus friedlich und habe hierserbischen Gesandten überaus schroff angefahren undsich über serbische Anmaßungen beschwert. In seinemCharakter liege es, sich leicht zu ereifern und dannsich schärfer auszusprechen, als er wirklich meinte.Es sei daher leicht möglich, daß er sich gegen fremdeDiplomaten über die gegenwärtige Krisis in einerForm geäußert, die nicht dem beabsichtigten Eindruckentspräche.
Graf Benckendorff, mit dem ich verwandt bin, undder mir hier besonders vertrauensvoll entgegentritt,sieht die Gefahr der Lage nicht so sehr in der ser-bischen Frage, über die man sich wohl einigen werde,als in der Möglichkeit neuer türkischer Erfolge. Nachallen ihm auß Rußland zugegangenen Nachrichten be-fürchte er für diesen Fall einen Druck der öffentlichenMeinung zugunsten der Balkanstaaten beziehungs-weise gegen Österreich , dem keine Regierung werdewiderstehen können. Das Schreckgespenst der Revo-lution sei keineswegs abgetan. Jede russische Regie-rung fürchte sich vor derselben. Es sei daher schwer,unbedingt mit den amtlichen Kreisen zu rechnen, undunmöglich zu sagen, wer eigentlich die Geschicke desReiches in der Hand habe.
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