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1 (1927)
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entschließen konnte, auf seinen Lieblingsgedanken zuverzichten, den Glanz seiner Amtsführung am Quaid'Orsay durch eine internationale Konferenz zu er-höhen. Auf diese Weise hat der französische MinisterSir E. Grey, der die Schwäche seines französischenKollegen kannte, die Annahme Londons als Ort derBotschafterkonferenz sehr erschwert und die Unstim-migkeiten, die zwischen ihm (Poincare ) und HerrnCambon bestanden, nicht verringert. Herr Cambon tratvon Anfang an für die Wahl Londons ein, da er dieZusammensetzung des hiesigen diplomatischen Korpseiner vernünftigen Lösung für günstiger hielt, als diesin Paris der Fall gewesen wäre.

Herr Poincare wirft dem hiesigen französischenBotschafter wohl mit Recht vor, dieser habe bis zumletzten Augenblick in seiner Berichterstattung denAusbruch eines Balkankrieges für unwahrscheinlicherklärt und dadurch dazu beigetragen, daß die franzö-sische Politik von den Ereignissen überrascht wordensei.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 13. 12. 1912

S ir Edward Grey hat sich in den letzten Tagen ein-gehend mit den Fragen der bevorstehenden Bot-schafterbesprechung in London beschäftigt. Er will siesoweit als irgend tunlich jedes formellen Charaktersentkleiden, insbesondere kein Protokoll führen lassen,sondern nur zu Aufzeichnungen schreiten, wenn derzwanglose Gedankenaustausch in den einzelnenFragen ein Ergebnis geliefert habe.

Nach Sir Edwards Grey Absichten solle die Bot-schafterbesprechung, ohne sich mit Kleinigkeiten auf-zuhalten, die Hauptpunkte rasch durchberaten und

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