sich dann vertagen mit dem Vorbehalte, wieder zu-sammenzutreten, wenn neuer, wichtiger Beratungs-stoff vorliege.
Der Minister hofft, die Hauptarbeit in vier bis fünfSitzungen erledigen zu können und scheint an dieMöglichkeit zu denken, Fragen, welche umfangreicheEinzelerörterungen nötig machen wie die der DettePublique und der Bahnen besonderen Kommissionenzuzuweisen.
Sir Edward Grey scheint in den letzten Tagennoch einen ausführlichen Gedankenaustausch mit demrussischen Kabinett gepflogen zu haben, über dessenErgebnis er im Privatgespräch Befriedigung äußerte,da er jetzt ganz sicher zu sein glaubt, daß Rußland eine durchaus friedliche und versöhnliche Politik ver-folgen werde.
Die Stimmung Österreich gegenüber ist in hiesigenRegierungskreisen nach wie vor günstig, die Berech-tigung des österreichischen Standpunktes wird invieler Beziehung anerkannt, dabei aber immer wiederbetont, daß ein Überspannen des BogensSerbien gegenüber die ernstesten Gefahren mitsich bringen könnte. Die fortgesetzten RüstungenÖsterreichs fahren daher fort, hier lebhaft zu be-unruhigen.
Von den Balkanvölkern erfreut sich hier nur Bul-garien ausgesprochener Sympathien, die Serben habendurch lärmendes Auftreten und Interviews wie dievon den Friedensdelegierten dem „Temps" gewährtenhier sehr verstimmt. Sie werden voraussichtlich vonSir E. Grey eine sehr deutliche Sprache zu hören be-kommen. Lichnowsky.
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