wolle diesen militärischen Maßnahmen keine über-triebene Bedeutung beimessen, man könne aber nie
wissen, wohin sie führten, namentlich da die An
Gelegenheit des mißhandelten Konsuls noch immernicht beigelegt wäre.
Der Minister will dem Grafen Mensdorff, dermorgen früh nach Wien reist, weil Graf Berchtold ihngerufen hat, noch besonders einprägen, daß er in Wien zur Ruhe und Mäßigung raten ließe, um zu verhin-dern, daß noch vor der Botschafterbesprechung sichZwischenfälle ereigneten.
Dem serbischen Geschäftsträger, der seinen Raterbeten hat, angesichts der Gerüchte über bevor-stehende österreichische Maßnahmen hat der Ministerzur Ruhe und Vorsicht geraten, da keine der MächteLust habe, die friedliche Beilegung der Angelegenheitin Frage zu stellen, und sich dem Spruch der Mächtezu unterwerfen.
Über die von Wien aus gestellte Bedingung hat derMinister sich anscheinend mit Rücksicht auf die Hal-tung Rußlands inzwischen beruhigt. Er meinte, dieBegrenzung Albaniens werde in einer der erstenSitzungen zur Sprache kommen und eine der schwie-rigsten Fragen bilden. Auch möchte er, falls bis dahinalle Botschafter mit Instruktionen versehen sind undGraf Mensdorff zurück ist, am Montag beginnen.
Lichnowsky.
AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG
ie ich von gut unterrichteter journalistischer
WSeite höre, hat sich Herr Poincare bis in dieneueste Zeit energisch gesträubt, London als Ort derBotschafterkonferenz anzunehmen, weil er sich nicht
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