Einen in diesem Sinne gehaltenen Erlaß, den derMinister nach Wien gerichtet hat, gab er mir zur Ein-sicht. Derselbe schließt mit dem rührenden Wunsch,das kommende Weihnachtsfest möge als Ergebnis derBesprechungen der Menschheit den Frieden bringen.
Als Kuriosum erzählte er mir noch, daß die Bal-kanstaaten über London als Friedensort verfügt hätten,ohne hier anzufragen, und daß ihm hierüber nur vonder bulgarischen Regierung eine amtliche Verständi-gung gemacht worden sei,
Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 10. 12. 1912
S ir E. Grey, dessen Stimmung ein sicheres Baro-meter für den Stand der Friedensaussichten abgibt,empfing mich heute wieder in heiterer Laune. DerMinister erklärte sich mit Rücksicht auf den allgemeindahin geäußerten Wunsch damit einverstanden, daßdie Botschafterbesprechungen hier stattfinden. Er hatdies auch bereits mehreren meiner Kollegen heutemitgeteilt. Sir E. Grey legt besonderen Wert darauf,daß möglichst bald damit begonnen werde, da er derAnsicht ist, daß alsdann weniger Gefahr vorliegtfür unerwartete Vorfälle zwischen Österreich undSerbien . Seien einmal die Besprechungen im Gange,so sei es unwahrscheinlich, daß man sich in Öster-reich werde zu irgendeinem gewaltsamen Schritt hin-reißen lassen, durch den die Verhandlungen unter-brochen werden könnten. Die Haltung Öster-reichs flöße dem Minister noch immer Be-sorgnis ein. Er zeigte mir ein Telegramm ausWien, worin von neuen Truppenverschiebungen an dieserbische und russische Grenze die Rede war. Er