Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
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Katholiken in Serbien anzunehmen oder gareine Art von Schutzverhältnis über dieselben anzu-streben.

Schließlich brachte Graf Mensdorff auch noch zurSprache, daß Serbien bei der vertragsmäßigen Räu-mung albanischen Gebietes sich bedauerlicher Saum-seligkeit schuldig mache. Die Versammlung nahmseine Darlegung zur Kenntnis, wobei Herr Cambonseine bekannte Ansicht wiederholte, daß die schleunigeEinsetzung einer provisorischen albanischen Regierungallein die völlige Zurückziehung fremder Truppen er-möglichen könne. Sonst laufe das Land Gefahr, derWillkür zu verfallen, und man dürfe nicht warten, bisdie Mächte sich über die endgültige Ausgestaltung desalbanischen Staatswesens geeinigt hätten.

Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 23. 6. 1913

B ei der heutigen Sitzung wurde die südalbanischeGrenzfrage nicht mehr berührt, da, wie Sir E. Greyuns nachher vertraulich sagte, eine Einigung vorläufigausgeschlossen sei und er daher abwarten wolle, obdurch Erneuerung kriegerischer Verwickelungen aufdem Balkan nicht eine veränderte Lage entstände, dieeine Lösung ermögliche. Sonst müsse er, wie er halbscherzend zu Marquis Imperiali bemerkte, es denItalienern überlassen, die Griechen aus Südalbanienzu vertreiben.

In der Sitzung selbst wurden serbische Fragen ver-handelt, worüber ich schriftlich berichte.

Nächste Sitzung Dienstag, den 1. Juli.

Lichnowsky.

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