Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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übrigen würde eine österreichisch - italienische Be-setzung Albaniens , falls sie notwendig würde, hier so-wohl die Regierung wie die öffentliche Meinung ziem-lich kühl lassen, nur fürchtet man, das daraus sichösterreichisch-italienische Streitigkeiten entwickelnkönnten. Alle diese Erwägungen aber werden durchein Gefühl des Überdrusses am albanischen Problemzurückgedrängt und durch die Unlust, britische Macht-mittel mehr als unbedingt notwendig zur Aufrecht-erhaltung der europäischen Eintracht für albanischeZwecke zu verwenden. Lichnowsky.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 15. 6. 1914

S ir Edward Grey sagte mir heute, er habe demDrängen der italienischen Regierung, Truppen inAlbanien zu landen, nicht nachgegeben, da die briti-schen Interessen daselbst zu geringe seien, und es un-absehbar wäre, zu welchen Folgen ein militärischesEingreifen führen könne. Zuerst würden 500 Mannverlangt und alsbald, wenn diese sich als ungenügenderwiesen, würde weiterer Nachschub benötigt werden.Habe man erst angefangen, so sei es schwer, nachherVerstärkungen zu verweigern, und noch schwerer, sichwieder aus dem Lande zurückzuziehen, Er habe sichdaher damit begnügt, ein britisches Kriegsschiff hin-zuschicken, um nötigenfalls zur Sicherheit der fürst-lichen Familie einzugreifen. Mehr wollte er nicht tun.

Ich hatte nicht den Eindruck irgendeiner Ver-stimmung, die zu dieser Haltung des Ministers geführthaben könnte. Ich glaube vielmehr, er meint, in Er-mangelung wirklicher britischer Interessen sich nichtweiter als unbedingt nötig in die albanischen Wirreneinlassen zu sollen. Lichnowsky.

5 Lichnowsky II

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