ben dahin ginge, die beiden Gruppen einander näher-zubringen und dadurch europäischen Verwicklungenvorzubeugen und eine Verständigung über alle auf-tauchenden Fragen zu erleichtern.
Der Minister stand sichtlich unter dem Eindruckmeiner Eröffnungen und dankte mir für die offene Aus-sprache, die sich in gewohnter gemütlicher und freund-
schaftlicher Form vollzogen hatte.
Lichnowsky.
AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG
S ir Edward Grey ließ mich heute zu sich bitten undgab mir zunächst Kenntnis von der Aufzeichnung,die er über unsere Unterredung gemacht hatte, diekurz vor meiner Reise nach Berlin und Kiel stattfand.Er sagte, er habe seinen damaligen Worten auch heutenichts hinzuzufügen und könne nur wiederholen, daßgeheime Abmachungen zwischen Großbritannien einer-seits und Frankreich und Rußland andererseits, welcheGroßbritannien im Falle eines europäischen KriegesVerpflichtungen auf erlegten, nicht bestünden. Eng-land wolle sich vollkommen freie Hand bewahren, umbei festländischen Verwicklungen nach eigenem Er-messen handeln zu können. Die Regierung habe ge-wissermaßen dem Parlament gegenüber die Verpflich-tung übernommen, sich in keine geheimen Verbind-lichkeiten einzulassen. Auf keinen Fall werde beifestländischen Verwicklungen die britische Regierungauf seiten des Angreifenden zu finden sein.
Da er mich aber nicht habe irreführen wollen —as I did not want to mislead you —, habe er gleichhinzugefügt, daß nichtsdestoweniger seine Beziehun-gen zu den genannten Mächten nichts von ihrerfrüheren Innigkeit verloren hätten. Wenn auch also
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