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2 (1927)
Entstehung
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den geringsten Anlaß, an der Richtigkeit seiner Wortezu zweifeln, bedauerten aber um so mehr, daß immerwieder Gerüchte auftauchten, welche von einer Flotten-verständigung zu berichten wüßten, die ein beider-seitiges Zusammenwirken gegen uns im Kriegsfälle be-zwecke. Ich wäre nicht in der Lage, die Richtigkeitdieser Gerüchte zu prüfen, könne mir aber wohl den-ken, daß etwaige Besprechungen der beiderseitigenSeebehörden nicht in den Rahmen politischer Ab-machungen und bindender Verträge fielen, und daß siedaher mit seinen Erklärungen zu vereinbaren wären.In diesem Falle aber glaubte ich ihn darauf aufmerk-sam machen zu müssen, daß derartige Verabredungennotwendigerweise dazu beitragen würden, die in Ruß-land zweifellos bestehende nationalistische Strömungzu bestärken und andererseits bei uns das Verlangennach vermehrten Rüstungen zu fördern und der Re-gierung es zu erschweren, den ihm bekannten, denRahmen der gesetzlich festgelegten Aufwendungenüberschreitenden Forderungen entgegenzutreten.

Sir Edward entgegnete, ohne auf die von mirberührte Frage eines Flottenübereinkommens nähereinzugehen, daß er mir bereits vor kurzem gesagt habe,daß kein neues oder geheimes Übereinkommen be-stünde, daß aber die Beziehungen zu den Verbands-genossen nichtsdestoweniger einen sehr intimen Cha-rakter trügen. Aus seiner Zurückhaltung und der Be-merkung, daß er mit mir noch einmal auf die An-gelegenheit zurückkommen wolle, konnte ich entneh-men, daß er sich die ganze Frage reiflich überlegenwill, ehe er mir gegenüber zu meiner Anregung Stel-lung nimmt. Auf jeden Fall hat er eine Fühlungnahmeder beiden Marinen für den Fall eines gemeinsamenKrieges nicht direkt in Abrede gestellt. Er betonte aberauch bei dieser Gelegenheit wieder, daß sein Bestre-

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