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2 (1927)
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Sechzehnter Abschnitt

DIE ENTENTE VOR DEM WELTKRIEG UND DIERUSSISCH-ENGLISCHE MARINEKONVENTION

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 17. 4. 1914

E in englischer Journalist besuchte heute Sir W.

Tyrell, um von ihm für die Haltung den englischenPresse während des bevorstehenden Besuches derenglischen Majestäten in Paris einige Richtlinien zuerbitten. Nach den streng vertraulichen Mitteilungenmeines Gewährsmannes führte der Privatsekretär (Ka-binettchef) Sir E. Greys etwa folgendes aus:

Die Entente mit Frankreich sei aus dem Ab-kommen vom Jahre 1904 und den daran sich an-schließenden politischen Ereignissen entstanden. SirEdward Grey habe die Bedeutung und Tragweite desVerhältnisses häufig öffentlich in Reden erörtert.Diese sollten als Grundlage benützt werden. DiePresse solle möglichst vermeiden, bei Besprechungdes Besuches in Paris dritte Mächte überhaupt zu er-wähnen, vor allem aber alles aus dem Spiele lassen,was so gedeutet werden könne, als habe die Ententeoder der Besuch in Paris eine Spitze gegen irgend-eine andere Macht. Dies sei keineswegs der Fall. DieEntente hindere England durchaus nicht an einemfreundschaftlichen Verhältnisse zu Staaten, die außer-halb stünden. Frankreich habe offiziell niemals er-

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