Siebzehnter Abschnitt
VOR DER KATASTROPHE
AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG
I ch benutzte meinen heutigen Besuch, um Sir EdwardGrey den Dank Ew. Exzellenz für seine offenenund geraden Erklärungen im Unterhause auszuspre-chen, durch welche er den Gerüchten über ein an-gebliches englisch -russisches Marineabkommen ent-gegengetreten ist. Ich knüpfte hieran die Bemerkung,daß Ew. Exzellenz seine Ausführungen um so leb-hafter begrüßt hätten, als dieselben nicht unwesent-lich dazu beitrügen, die Befürchtungen zu zerstreuen,welche namentlich in neuester Zeit weite Kreise desdeutschen Volkes hinsichtlich unserer auswärtigenLage erfaßt hätten. In erster Linie sei es Rußland ,welches dieser Beunruhigung und den daraus hervor-gehenden Bestrebungen für eine weitere Vermehrungunserer Rüstungen Nahrung zuführe, und ich könnein dieser Hinsicht ganz besonders auf den Artikel der„Nowoje Wremja" verweisen, welcher in Deutsch-land unliebsames Aufsehen erregt hätte. Angesichtsder Möglichkeit, daß ein Balkankrieg wiederum aus-bräche und daß Rußland sich alsdann zu einer etwasaktiveren Auslandspolitik entschlösse, erschien es unsvon größter Wichtigkeit, daß die intime Fühlung-
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