Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
297
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DIE GRUNDLAGEN DES RUSSISCHEN FRIEDENS

AUFZEICHNUNGEN VOM 8. JANUAR 1918

D ie Sorge um die Schicksale der christlichen Völ-ker und die Meerengenfrage bezeichnete FürstG. Trubetzkoi in seinem noch vor den beiden Balkan-kriegen erschienenen Buche:Rußland als Großmachtals die Grundprobleme der russischen Orientpolitik.Wenn Rußland nicht in der Lage wäre, sein ent-scheidendes Wort hierbei zu sagen, so wäre seineRolle als Großmacht erledigt.

Nicht notwendigerweise der Besitz von Konstanti-nopel, wohl aber die Meerengen weder in der Handeiner europäischen Großmacht, noch in der einerwiderstandsfähigen Türkei , sowie das religiöse, ausdem sich später auch das nationale Protektorat überdie Glaubens- und Stammesbrüder entwickelte undderen Unabhängigkeit! Das sind die Ziele der russi-schen Orientpolitik seit den Tagen Katharinas, die zuden Kriegen führten, die den Besitz der Küste, dieSchwächung der Türkei , die Befreiung der Balkan-völker und die Befestigung der religiösen und politi-schen Macht Rußlands bezweckten. War die HaltungRußlands in der Meerengenfrage von wirtschaftlichenund militärischen Bedürfnissen geleitet, da der Handeldes gesamten Schwarzen Meer-Beckens in Fragestand und der russischen Flotte der Zutritt zum Welt-meer versagt war, so lagen den Balkanfragen auchImponderabilien zugrunde, die im theokratischen Cha-rakter des Zarentums wurzelten.

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