Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
298
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Der im Jahre 1774 zwischen Katharina und derPforte geschlossene Frieden von Kütschük (Klein)Kainardje, einem Dorfe in der Dobrudscha , begründeteeigentlich erst die Stellung Rußlands im Orient, da erdem Zarentum das Recht sowohl der freien Schiffahrt,wie das der Vertretung religiöser Interessen osmani-scher Christen verlieh. Im engen Zusammenhänge mitdiesen Erfolgen der russischen Politik im Südwestenstand das Vordringen Rußlands im Westen gegenPolen, den Verbündeten der Türkei , Auch hier sahenwir religiöse und politische Motive sich vermengen,da das Eingreifen Katharinas zugunsten der Dissi-denten den Anlaß bot zur ersten Teilung Polens , derbald nach dem zweiten Türkenkriege die zweite folgte,Orientpolitik und Polenpolitik in steter Verbindungbildeten die Grundlagen der russischen Machtentfal-tung und erst seit Katharina kann Rußland als euro-päische Großmacht gelten.

Während Rußland sich in der polnischen Frage mitseinen beiden Nachbarn zu einigen vermochte, be-gegnete es auf dem Wege nach dem Balkan und demMittelmeer dem Widerstand europäischer Mächte, dieden russischen Einfluß im Orient und im Mittelmeerfürchteten: erst England, Frankreich , dann auchItalien. Diesen gesellte sich Österreich zu, das ehe-dem mit Katharina Hand in Hand ging, ohne freilichsich am Kampfe zu beteiligen. Seit dem Krimkrieg istaber der Gegensatz zwischen Österreich und Rußland nicht mehr verschwunden. Hinter Österreich-Ungarn stand seit dem Berliner Kongreß die erste Militär-macht der Welt, das Deutsche Reich, welches nach Bis-marck und gegen seine Absichten das als Folge desKongresses und der deutsch -russischen Verstimmunggeschlossene Bündnis zu einem Blankokredit für dieOrientinteressen des Verbündeten erweiterte.