Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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Hatte schon Bismarck auf dem Kongreß mehr unterdem Einfluß persönlicher Gereiztheit als sachlicherErwägungen Rußland nur lau unterstützt und um denvollen Ertrag des Sieges gebracht, sowie dem GrafenAndraszy zurOkkupation" türkischer, aber ethno-graphisch vorwiegend serbischer Landesteile ver-holfen, so führte später unsere Haltung bei der An-nexion Bosniens, die die serbischen Zukunftsträumezerstörte, zu einer weiteren Entfremdung mit dem öst-lichen Nachbarn und traditionellen Freunde, dessenNeutralität die Erfolge von 1866 und 1870/71 ermög-lichte. Der Kündigung des Rückversicherungsvertrageswar die russisch -französische Verbrüderung gefolgt,die nach Algeciras auch noch durch die britisch-russi-sche Verständigung ergänzt ward.

Während eine weitgehende Auslegung des Bünd-nisses unseren austromagyarischen Freunden ge-stattete, mit unserer Hilfe die serbischen, von Rußland unterstützten Einigkeitsbestrebungen zu bekämpfen,erregte andererseits auch die Vormachtstellung, diewir am Bosporus erstrebten, begleitet von militärischenMissionen, welche die Widerstandskraft der Türkenstärken sollten, das Mißfallen der zaristischen Re-gierung. Flotte und Algeciras einer-, Serben- undTürkenpolitik andererseits schufen die Stimmung, ausder die Entente hervorwuchs.

Auf der Londoner Botschafterkonferenz wurde als-dann Albanien mit unserer Hilfe durchgedrückt, inder Absicht, Serbien von der Adria auszuschließen.Hierdurch sah sich dieses veranlaßt, nach Süden zudrängen, die Wardarlinie zu besetzen, um im Anschlußan das befreundete Griechenland bei Saloniki dasMeer zu erreichen. Und als schließlich Graf Berch-told, der den Bukarester Frieden nie wirklich an-erkannt hatte, gestützt durch das Bündnis, daran gehen

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