Zwölfter Abschnitt
DIE DEUTSCH-ENGLISCHE FLOTTENPOLITIK
AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG
D ie telegraphisch hierher gemeldeten Erklärungenüber die Flottenfrage, die der Herr Staatssekretärdes Reichsmarineamts angeblich in der Budget-kommission des Reichstags abgegeben hat, erregenin der hiesigen Presse das größte Aufsehen undwerden von fast sämtlichen führenden Blättern inLeitartikeln besprochen.
Nach den hier vorliegenden Meldungen soll derGroßadmiral von Tirpitz auf die Flottenrede, dieHerr Churchill im März v. Js. gehalten hat, ein-gegangen sein und geäußert haben, daß ein Verhältnisvon 10:16 zwischen der deutschen und der englischenSchlachtflotte annehmbar erscheine, und daß auch erals Chef des Reichsmarineamts dagegen keinerleiBedenken geltend zu machen habe.
Die „Times" begrüßt zwar diese Feststellung, dasie offenbar von freundschaftlichen Gefühlen gegen-über England Zeugnis ablege, mißt aber im übrigenden Worten des Herrn von Tirpitz keine große Trag-weite bei. Herr Churchill habe seinerzeit das An-gebot gemacht, daß, wenn Deutschland seinen Bau-plan nicht vergrößern, England den seinigen auchnicht vergrößern wolle; eine bindende Annahme dieses
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