Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

Angebots könne in den Äußerungen des Herrn vonTirpitz nicht erblickt werden. Jedenfalls dürfe mansich durch diese Äußerung nicht zu der Annahme ver-führen lassen, daß Deutschland nun ohne weitereseine auf eine Einschränkung der Rüstungen hin-laufende Politik treiben werde. Tatsächlich könntensich auch weder England noch Deutschland bei derEntwicklung ihrer Flotten unbedingt und für immerdie Hände binden. Sei aber Deutschland wirklich be-reit, sich mit England über die Flottenfrage in ge-wissem Umfange zu verständigen, so werde ein solcherEntschluß in England mit Freuden begrüßt werden;das Wachsen der freundschaftlichen Beziehungenzwischen den beiden Ländern, das in den letztenMonaten durch das einmütige Zusammengehen derbeiden Regierungen eine starke Förderung erfahrenhabe, sollte die beiden Länder dazu bringen, dieFlottenpolitik fortan ohne Bitterkeit und gegen-seitigen Argwohn zu erörtern.

Die liberaleWestminster Gazette"*) betont, daßdie Flottenfrage nur im Zusammenhang mit den po-litischen Fragen behandelt werden könne. Die Be-messung der Flottenstärke der beiden Länder werdeimmer von den allgemeinen politischen Beziehungenabhängig bleiben, die zwischen ihnen bestünden.

Unter diesem Gesichtspunkte werde es in ersterLinie darauf ankommen, zu verhindern, daß die natür-liche und gesunde Rivalität der zwei mächtigenHandelsvölker zu einer politischen Reibung führe. Umdieses Ziel zu erreichen, müsse man sich auf beidenSeiten über gewisse wichtige Grundsätze klar werden.Vor allem sei zu beachten, daß England die über-

*) Der Herausgeber derWestminster Gazette" Alfred Spen-der gehörte zu den intimsten Freunden Sir E. Greys. Es war da-her anzunehmen, daß diese Auslassung über die Flottenfrage denAnsichten des Ministers entsprach.