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2 (1927)
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WEITERE VERHANDLUNGEN DER LONDONERBOTSCHAFTER-VERSAMMLUNG

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 18. 6. 1913

ie anderwärts gemeldet, haben wir uns heute im

Wwesentlichen mit serbischen Angelegenheiten zubefassen gehabt. Zunächst brachte Herr Cambon denbekannten Wunsch der serbischen Regierung zurSprache, eine schriftliche Wiederholung des bereitserteilten Versprechens hinsichtlich des Bahnbaus unddes Adriahafens zu erhalten, worauf Graf Mensdorffunter Zustimmung des Grafen Benckendorff erklärte,eine Einigung über die strittige Auslegung des verein-barten Wortlauts, namentlich über die Frage der Zu-fuhr von Kriegsmaterial in Kriegszeiten, sei im Gangeund werde von den beiderseitigen Vertrauensmännernausgearbeitet. Es möge daher noch etwas gewartetwerden, bis man in der Lage sei, der Versammlungeinen bestimmten Vorschlag zu unterbreiten. DieserAnregung wurde zugestimmt. Herr Cambon wieder-holte hierbei seine bekannte Auffassung, derzufolgedas den Serben gegebene Wort unter allen Umständeneingelöst werden müsse unabhängig von der zwischenden Mächten zu erzielenden Einigung über die Trag-weite einzelner Bestimmungen.

Diese Gelegenheit benützte mein österreichisch-ungarischer Kollege, tun im Aufträge seiner Regie-

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