Elfter Abschnitt
DIE LIMAN-SANDERS-AFFÄRE
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London, 15. 12. 1913
S ir E. Grey empfing mich heute, indem er seineGenugtuung über die auswärtige Rede Euerer Ex-zellenz*) zum Ausdruck brachte. Er habe sich über dieAusführungen, die England beträfen, besonders ge-freut, und entsprächen diese Gesinnungen auch voll-kommen den seinigen.
Im Laufe einer längeren Unterhaltung, währendwelcher ich mich davon überzeugen konnte, daß derMinister sich in der denkbar besten Stimmung be-findet, kam Sir E. Grey auch auf die Angelegenheitder deutschen Offiziere in Konstantinopel zu sprechen.Die Frage schien ihn sehr zu beschäftigen, und ersagte, er freue sich, mit mir hierüber sich aussprechenzu können. Noch nie habe er die russische Regierungüber eine Frage derart erregt gefunden. Infolge wieder-holter und dringender Vorstellungen, die von Peters-burg aus hier erhoben wurden, habe er sich bereit er-klärt, in Konstantinopel mündlich und vertraulich Er-
*) In seiner Reichstagsrede vom 9. Dezember 1913, in der erdie außenpolitische Lage eingehend darlegte, gedachte der Reichs-kanzler mit besonderer Betonung der „Gleichartigkeit in demGrundgedanken der deutschen und englischen Politik rücksicht-lich der weiteren Entwicklung der Türkei " und der „in so er-freulicher Weise fortschreitenden Besserung unseres Verhältnisseszu England ".
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