wollte, den genannten Vertrag zu revidieren, ent-wickelte sich durch den Widerstand Rußlands derWeltkrieg, der uns jetzt vor die Aufgabe stellt, fürunsere künftigen Beziehungen zu Rußland neue undhoffentlich dauerhafte Grundlagen zu finden.
Der Weg, der zum Kriege führte, würde sicherlichauch den besten Hinweis liefern für die Grundlagendes Friedens, um so mehr als direkte deutsche Lebens-fragen nicht in Frage stehen. Dieser logischen Erwä-gung begegnen jedoch folgende Bedenken:
1. die Interessen unserer Verbündeten;
Um gleich mit letzterer zu beginnen, so läßt siesich dahin zusammenfassen: Wird das jetzige kommu-nistische Regiment von Dauer sein, oder haben wir mitdem Übergang zu einer demokratischen Förderativ-republik etwa nach amerikanischem Muster zu rech-nen? Die monarchische Restauration möchte ichganz ausschalten, teils weil sie nicht sehr wahrschein-lich ist, teils aber weil es wohl keinem Zweifel unter-läge, daß eine Monarchie nicht anders könnte, als hin-sichtlich Polens und des Orients zu den TraditionenKatharinas und ihrer Nachfolger zurückzukehren,Frieden und Freundschaft mit Rußland auf die Daueralso nur auf Grundlage der alten russischen Polen-und Orientpolitik zu finden wäre.
Hält sich die jetzige Ochlokratie, so bedeutet dasdie Rückkehr Rußlands zur Naturalwirtschaft, die nurden Bedürfnissen des Augenblicks und den einfachenAnsprüchen des Landvolks und der städtischen Ar-beiterschaft genügt. Sie produzieren dann nur, wassie selbst verbrauchen. Handel und Industrie, beideKapital bildend, würden entweder ganz aufhören, odersich wenigstens nur so weit entwickeln, als sie nötig
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