Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
301
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sind, um den Bedürfnissen der einfachsten Lebens-führung zu genügen.Die Kunst, Geld zu verdienenund Hühneraugen gründlich zu vertreiben, rief Ba-zar ow*) mit verächtlichem Lächeln. Vom Standpunktder heutigen Bazarows entfällt das Bedürfnis nachGroßmachtstellung, nach Imperialismus und seinenAttributen: Handel, Wehrmacht, Gebietserweiterungund Einflußsphäre.

Der Imperialismus, die Bejahung des Kollektiv-willens, in nationalistischer Form durch Gewalt undauch auf Kosten gleichberechtigter Kulturvölker, inpazifistischer durch Sitte und Handel, durch höhereZivilisation, ist untrennbar von der kapitalistisch-bürgerlichen Staats- und Gesellschaftsform, von einemstarken und daher organisierten Gesamtwillen, vonder Fähigkeit zu gelegentlicher Macht- und Kraft-entfaltung. Mit der heutigen Regierungsform Ruß-lands steht und fällt also die Frage nach der Zukunftdes russischen Imperialismus.

Selbst eine demokratische Bundesrepublik nachdem Vorbilde der amerikanischen Union, die sich all-mählich aus primitiven agrarischen Ansiedlerverbändenzu der größten Kapitalmacht der Welt entwickelte,könnte auf imperialistische Bestrebungen im Interessedes Unternehmertums, auf Kolonisation, Handel undauf entsprechende politische Machtstellung nicht ver-zichten. Hat sich nicht auch die Union immer wiederneue Gebilde angegliedert im Interesse ihrer Kolonistenund ihrer Ausbreitung, ist nicht auch hier der politischeEinfluß dem wirtschaftlichen gefolgt? Hat sie nichtspanische Sprachgebiete erworben, die wir jüngstHerrn Carranza so hochherzig anboten, hat sie sichnicht mit der Monroedoktrin und ihrer seitherigen

*) Nihilist aus TolstoisVäter und Söhne".