Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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nähme, welche zwischen uns während der letztenKrise bestand, auch allen zukünftigen Ereignissengegenüber aufrechterhalten bliebe, um auf Grundlagegemeinsamer Verabredung einer kriegerischen Politikerfolgreich begegnen zu können. Ich wies den Ministerferner darauf hin, daß nur durch die Aufrechterhaltungder bisherigen deutsch -britischen Intimität, gepaart mitunserer Überzeugung, daß er auch in Zukunft bestrebtsein werde, kraft seines weitreichenden Einflusses inParis und Petersburg allen abenteuerlichen Regungenentgegenzutreten, es der Kaiserlichen Regierung mög-lich sein werde, das auch bei uns zeitweise überhand-nehmende Rüstungsfieber niederzuhalten und den Rah-men der bestehenden Wehrgesetze einzuhalten. Ichvermied es dabei absichtlich, auf unser Flottengesetznäher einzugehen, da ich dieses heikle Thema mit demMinister seit meiner Ankunft in London noch nie be-rührt habe und er auch es bisher sorgsam unterlassenhat, diesen Gegenstand mit mir zu erörtern.

Der Minister nahm meine Eröffnungen mit sicht-licher Befriedigung zur Kenntnis und sagte, daß esebenso sein Bestreben sei, mit uns auch ferner Handin Hand zu gehen und allen auftretenden Fragengegenüber in enger Fühlung zu bleiben. Er habe indieser Absicht soeben mit mir die gegenwärtige orien-talische Lage besprochen und glaube, daß dieser Wegfür unsere beiderseitigen Ziele der geeignete sei. WasRußland beträfe, so habe er nicht den geringstenGrund, an den friedlichen Absichten der russischenRegierung zu zweifeln. Daß Graf Benckendorff hierkeine deutschfeindliche Politik betreibe, brauche ermich nicht erst zu versichern. Kaiser Nikolaus undHerr Sasonow sprächen sich stets in friedlichem SinneSir George W. Buchanan gegenüber aus; nur sei esnicht zu leugnen, daß Herr Sasonow den Wunsch hege,

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