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2 (1927)
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kennen lassen, daß es einen geschriebenen Vertragmit England wünsche. Es seien aber Anzeichen dafürvorhanden, daß französische militärische Kreise eineMilitärkonvention für erstrebenswert hielten. Dies seiaber wohl unmöglich, da eine Militärkonvention immereine politische Bindung irgendwelcher Art einschließe.Die meisten kontinentalen Beurteiler vergäßen ganz,daß nicht mehr England allein, sondern das ganzebritische Weltreich bei militärischen und Marinefragenmitspreche, und daß das englische Kabinett auf dieWünsche und Bedürfnisse der Dominien weitgehendeRücksicht nehmen müsse. DieTimes habe in denletzten Tagen in einem Leitartikel diesen Gesichts-punkt glücklich hervorgehoben: er könne weiter be-nutzt werden. Der in derTimes veröffentlichte Briefdes französischen Professors Lavisse enthalte voll-ständig falsche Auffassungen über das Wesen derEntente. Es seien die Anschauungen eines franzö-sischen Chauvinisten, glücklicherweise nicht die derwirklich maßgebenden Kreise in Frankreich .

Lichnowsky.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 18, 4. 1914

er bekannte französische Historiker Ernst Lavisse

JL-/ hat anläßlich des bevorstehenden Besuchs desenglischen Königspaares in Paris in einer am 16. d.Mts. zum Abdruck gelangten Zuschrift an dieTimesin ausführlicher Weise sich über die Bedeutung, dasWirken und die Ziele der englisch - französischenEntente geäußert. Unter Betonung der friedlichenBestrebungen der Entente hat Herr Lavisse gleich-zeitig dem Wunsch nach einer Stärkung des englisch-französischen Freundschaftsverhältnisses Ausdruck

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