Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

mit uns in Fühlung zu bleiben, enthielt sich aber vor-läufig einer bestimmteren Meinungsäußerung.

Sodann erwähnte ich unter Bezugnahme auf un-sere letzte Unterhaltung, daß die gewaltigen Rüstun-gen Rußlands und gewisse andere Anzeichen, wie derBau strategischer Bahnen, nach meinen letzten per-sönlichen Eindrücken in Berlin nicht verfehlt hätten,dort ein gewisses Unbehagen hervorzurufen. Die Stim-mung Rußlands für uns und Österreich-Ungarn seizweifellos keine freundliche. Diese Tatsachen, ver-bunden mit dem bosnischen Frevel, hätten bei unseine etwas pessimistische Auffassung der auswärtigenLage gezeitigt. Da wir aber überzeugt wären, daß wiruns mit der britischen Politik in dem Wunsche be-gegneten, den Frieden zu erhalten und die Gruppeneinander zu nähern, so glaubte ich, durch eine Aus-sprache mit ihm den beiderseitigen Zwecken zu dienen.

Sir Edward wiederholte mir ungefähr dasselbe,was er mir erst kürzlich gesagt hatte, nämlich,daß ihm keine Anzeichen einer deutschfeindlichenStimmung in St. Petersburg bekannt seien. Noch we-niger glaube er an kriegerische Absichten Rußlands ,er wolle aber der Frage erneut seine Aufmerksamkeitzuwenden und mit mir gelegentlich darauf zurück-kommen, da auch er den Wunsch hege, über alle Fra-gen der auswärtigen Politik mit uns in Fühlung zubleiben.

Zum Schlüsse sagte ich, er müsse mir gestatten,da ich ganz offen mit ihm sein wolle und ich es fürwichtig hielte, daß er über unsere Auffassungen undStimmungen genau unterrichtet sei, ein etwas heiklesThema in vertraulicher Weise zu berühren. Wir wüß-ten aus seinen Erklärungen, daß geheime Abmachun-gen politischer Natur zwischen England und Rußland nicht bestünden. Wir hätten selbstverständlich nicht