keine Abmachungen bestünden, die irgendwelche Ver-pflichtungen auferlegten, so wolle er doch nicht inAbrede stellen, daß von Zeit zu Zeit Unterhaltungen(conversations) zwischen den beiderseitigen Marine-oder Militärbehörden stattgefunden hätten, und zwardie erste schon im Jahre 1906, dann während derMarokkokrisis, als man hier geglaubt habe, wie erlachend hinzufügte, daß wir die Franzosen angreifenwollten. Aber auch diese Unterhaltungen, von denener meist nichts Näheres gewußt habe, hätten durchauskeine aggressive Spitze, da die englische Politik nachwie vor auf Erhaltung des Friedens gerichtet sei undin eine sehr peinliche Lage käme, wenn ein euro-päischer Krieg ausbräche.
Ich wiederholte dem Minister ungefähr dasselbe,was ich ihm schon neulich gesagt hatte, und gab ihmdann zu verstehen, daß es wünschenswert wäre, daßsolche militärische Konversationen auf ein Mindest-maß beschränkt blieben, da sie sonst leicht zu un-erwünschten Folgen führen könnten.
Seit unserer letzten Unterhaltung, fügte Sir Edwardhinzu, habe er sich über die Stimmung, die in Ruß-land uns gegenüber bestehe, eingehend erkundigt undkeinen Grund zu einer beunruhigenden Auffassung ge-funden; er schien auch bereit zu sein, falls wir eswünschten, in irgendeiner Form auf die Haltung Ruß-lands einzuwirken. Auch sei er bestrebt gewesen, fürden Fall, daß das Wiener Kabinett sich genötigt sehe,infolge des Sarajewoer Mordes eine schärfere Haltunggegen Serbien einzunehmen, die russische Regierungbereits jetzt für eine ruhige Auffassung und versöhn-liche Haltung gegen Österreich zu gewinnen. Sehr vielwürde freilich, so meinte Sir Edward, von der Art deretwa gedachten Maßnahmen abhängen, und ob die-selben nicht das slawische Gefühl in einer Weise er-
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