Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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regten, die es Herrn Sasonow unmöglich machenwürde, dabei passiv zu bleiben.

Im allgemeinen war der Minister in durchaus zu-versichtlicher Stimmung und erklärte in heiteremTone, keinen Grund zu haben zu einer pessimistischenAuffassung der Lage. Lichnowsky.

DER STAATSSEKRETÄR DES AUSWÄRTIGEN AMTES ANDEN BOTSCHAFTER IN LONDON Berlin , 12. 7. 1914

D ie Untersuchung des Mordes von Sarajewo läßtimmer deutlicher erkennen, daß die geistigen Ur-heber in politischen und militärischen Kreisen Bel-grads sitzen. Es besteht die Möglichkeit, daß Öster-reich sich infolgedessen zu ernsteren Maßnahmengegen Serbien entschließen und diese zu allgemeinenKomplikationen führen könnten. Wir wünschen unterallen Umständen Lokalisierung des Konflikts. Hierzuist es nötig, daß die öffentliche Meinung in Europa esihren Regierungen ermöglicht, der Austragung der Dif-ferenz zwischen Österreich und Serbien ohne Partei-nahme zuzusehen. Es ist daher erforderlich, daß auchin der dortigen Presse schon jetzt eine Stimmung ge-schaffen wird, die in dem Attentat ebenso wie seiner-zeit in der Ermordung des serbischen Königspaaresden Ausfluß einer mit dem Kulturgewissen Europas unvereinbaren politischen Verbrechermoral sieht unddie es begreiflich erscheinen läßt, daß die Nachbar-monarchie sich gegen diese dauernde Bedrohung vonserbischer Seite zur Wehr setzt. Bitte in diesem Sinnetunlichst auf die dortige Presse einzuwirken, dabeiaber sorgfältig alles vermeiden, was den Anschein er-wecken könnte, als hetzten wir die Österreicher zum

Krie ^ e ' Jagow.

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