sein möglichstes tun, um Rußland zurückzuhalten. Ichglaube aber nicht, daß er dort, wie etwa in Paris , inder Lage ist, das entscheidende Wort zu sprechen.
Was aber die hiesige öffentliche Meinung betrifft,so bedauere ich, die Ausführungen meines Tele-gramms voll aufrechterhalten und nachdrücklich vorTäuschungen warnen zu müssen. Trotz der Bombender Mazzinisten, die in der Verfolgung ihrer politi-schen Zwecke kaum zartfühlender waren als die Mit-glieder der Ochrana und bekanntlich auch vor Atten-taten auf Allerhöchste und Höchste Häupter nichtzurückschreckten, wandte sich die hiesige öffent-liche Meinung der italienischen Einheitsbewegung zu,feierte Garibaldi hier in überschwenglicher Form. Esgelang damals Österreich ebensowenig, der italieni-schen Bewegung den Todesstoß zu versetzen wie sichhier Sympathie zu erwerben, und ich bezweifle, daßdas Serbentum zum Verzicht auf Betätigung seinernationalen Ideale und Hoffnungen außerhalb seineramtlichen Grenzen durch Aufwerfung der Machtfragezu bewegen sein wird. Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 16. 7. 1914
H eutige „Times" bringt Leitartikel über Österreich und Serbien und verurteilt auf das schärfste her-ausfordernde Haltung der Belgrader Presse, die derserbischen Sache die Sympathien des gebildeten Euro-pas entfremdete. Das Blatt erwartet bereitwilligesEntgegenkommen serbischer Regierung zur Aufklä-rung des Verbrechens und Bürgschaft gegen fernereUnterstützung der revolutionären Bewegung. Gleich-zeitig warnt das Blatt die Österreicher vor der Be-folgung einer Politik, wie die militärischen Zeitschrif-ten sie fordern, bei der alles zu verlieren und nichts
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