zu gewinnen sei. Die südslawische Frage, schwierigstealler österreichisch-ungarischen Probleme, könne nie-mals durch Gewalt gelöst werden oder durch Drohun-gen. Jeder Versuch in dieser Richtung würde viel-mehr den europäischen Frieden gefährden. Die eigeneGeschichte lehrt die Monarchie, wohin es führe, wennsie die Politik der ruhigen Selbstbeherrschung ver-lasse.
Ich wiederhole meine Auffassung, daß bei mili-tärischen Maßnahmen gegen Serbien gesamte öffent-liche Meinung gegen Österreich-Ungarn Stellung neh-men wird. Lichnowsky.
AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG
om Standpunkt des Grafen Berchtold ist es voll-
V kommen begreiflich, daß er seine durch den Bu-karester Frieden stark erschütterte Stellung und dendurch den Abfall Rumäniens verminderten Einfluß derMonarchie auf dem Balkan dadurch wieder zu hebengedenkt, daß er die jetzige verhältnismäßig günstigeGelegenheit zu einem Waffengange mit den Serbenbenutzt. Die leitenden militärischen Persönlichkeitenin Österreich haben bekanntlich schon seit längererZeit dahin gedrängt, das Ansehen der Monarchiedurch einen Krieg zu befestigen. Einmal war es Italien ,dem der Irredentismus ausgetrieben, ein andermalSerbien , das durch Kriegstaten ä la Prinz Eugen zurEntsagung und zu besseren Sitten gezwungen werdensollte. Ich begreife, wie gesagt, diesen Standpunktder österreichischen Staatsleiter und würde in ihrerLage vielleicht schon früher die serbischen Wirrendazu benutzt haben, um die südslawische Frage imhabsburgischen Sinne zu lösen.
Die erste Voraussetzung für eine derartige Politik
15 Lichnowsky II
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