müßte aber ein klares Programm sein, das auf der Er-kenntnis beruht, daß der heutige staats- und völker-rechtliche Zustand innerhalb der serbo-kroatischenVölkerfamilie, der einen Teil dieser nur durch dieReligion, nicht aber durch die Rasse gespaltenenNation dem österreichischen, einen anderen dem un-garischen Staat, einen dritten der Gesamtmonarchieund einen vierten und fünften endlich unabhängigenKönigreichen zuweist, auf die Dauer nicht haltbar ist.Denn das Bestreben, den geheiligten status quo ausBequemlichkeitsgründen unter allen Umständen auf-rechtzuerhalten, hat schon oft und so erst bei derjüngsten Balkankrise zu einem völligen Zusammen-bruch des auf diesen Grundlagen erbauten politischenKartenhauses geführt.
Zunächst bezweifle ich nun, daß in Wien ein groß-zügiger Plan, der allein die Grundlagen einer dauern-den Regelung der südslawischen Frage bieten würde,ich meine den Trialismus mit Einschluß Serbiens , ge-faßt worden ist. Nach meiner Kenntnis der dortigenVerhältnisse glaube ich auch gar nicht, daß man inder Lage ist, eine derartige staatsrechtliche Um-gestaltung der Monarchie in die Wege zu leiten. Dennes wäre hierzu vor allem der Widerstand Ungarns zuüberwinden, das sich gegen eine Abtretung von Kro-atien mit Fiume auf das äußerste wehren würde. ZurDurchführung eines derartigen Programms fehlt es inWien auch an der hierzu geeigneten kraftvollen Per-sönlichkeit. Man sucht dort vielmehr meist nur denBedürfnissen des Augenblicks zu genügen und ist froh,wenn die vielen politischen Schwierigkeiten, die nie-mals aussterben, da sie sich aus der Verschieden-artigkeit der Zusammensetzung des Reiches ergeben,so weit behoben sind, daß Aussicht besteht, wiedereinige Monate fortwursteln zu können.
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