Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
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Österreich will sich die serbische Minierarbeit nichtmehr gefallen lassen, ebensowenig die fortgesetzt pro-vokatorische Haltung des kleinen Nachbarn in Belgrad siehe die Sprache der serbischen Presse und desHerrn Paschitchs. Es erkennt wohl, daß es vieleGelegenheiten versäumt hat, und daß es jetzt nochhandeln kann, in einigen Jahren vielleicht nicht mehr.Österreich will sich jetzt mit Serbien auseinander-setzen und hat uns dies mitgeteilt. Während derganzen Balkankrise haben wir mit Erfolg im Sinnedes Friedens vermittelt, ohne Österreich dabei inkritischen Momenten zur Passivität gezwungen zuhaben. Daß wir trotzdem zu Unrecht in Öster-reich vielfach der Flaumacherei beschuldigt sind, istmir gleichgültig. Wir haben auch jetzt Austria nichtzu seinem Entschluß getrieben. (?) Wir können unddürfen aber ihm nicht in den Arm fallen. Wenn wirdas täten, könnte Österreich (und wir selbst) uns mitRecht vorwerfen, daß wir ihm seine letzte Möglich-keit politischer Rehabilitierung verkehrt haben. Dannwürde der Prozeß seines Dahinsiechens und innerenZerfalls noch beschleunigt. Seine Stellung im Balkan wäre für immer dahin. Daß eine absolute Stabili-sierung der russischen Hegemonie im Balkan indirektauch für uns nicht admissibel ist, werden Sie mir wohlzugeben. (?) Österreichs Erhaltung, und zwar einesmöglichst starken Österreichs , ist für uns aus innerenund äußeren Gründen eine Notwendigkeit. Daß essich nicht ewig wird erhalten lassen, will ich gernzugeben. Aber inzwischen lassen sich vielleicht Kom-binationen finden.

Wir müssen sehen, den Konflikt zwischen Öster-reich und Serbien zu lokalisieren. Ob dies gelingenkann, wird zunächst von Rußland und in zweiter Linievon dem mäßigenden Einfluß seiner Ententebrüder ab-

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