zwingung der Ungarn bei Vilägos und unter der Ober-leitung des kaiserlichen Generals Haynau die natio-nale Bewegung in Ungarn erdrückt wurde, und ob dierettende Tat des Zaren ein inniges und vertrauens-volles Verhältnis zwischen beiden Reichen begründethat. Lichnowsky.
DER STAATSSEKRETÄR DES AUSWÄRTIGEN VON JAGOWAN DEN BOTSCHAFTER IN LONDON , FÜRSTEN VONLICHNOWSKY Berlin, 18. 7. 1914
Lieber Lichnowsky!
I hr Urteil über unsere Politik, wie sie Ihr serbischerBericht enthält, ist mir stets wertvoll, und ich glaube,daß der Reichskanzler darüber ebenso denkt. Ichstehe auch nicht an, viele Ihrer Bemerkungen als be-rechtigt anzuerkennen. Aber wir haben nun einmalein Bündnis mit Österreich : hic Rhodus, hic salta.Auch darüber, ob wir bei dem Bündnis mit dem sichimmer mehr zersetzenden Staatsgebilde an der Donau ganz auf unsere Rechnung kommen, läßt sich dis-kutieren, aber ich sage da mit dem Dichter — ichglaube, es war Busch —: „Wenn Dir die Gesellschaftnicht mehr paßt, such' Dir eine andere, wenn Du einehast.“ Und zu einem vollen Erfolg bietenden Ver-hältnis zu England sind wir leider noch immer nichtgekommen, konnten nach allem, was vorausgegangen,auch gar nicht dazu kommen — wenn wir überhauptje dazu kommen können.
Österreich , welches durch seine mangelndeAktionskraft mehr und mehr Einbuße an seinem An-sehen erlitten hat, zählt schon jetzt kaum mehr alsvollwertige Großmacht. Die Balkankrise hat seineStellung noch geschwächt. Durch dieses Zurück-gehen der österreichischen Machtstellung ist auchunsere Bündnisgruppe entschieden geschwächt worden.
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