AN DAS AUSWÄRTIGE AMT
S ir E. Grey läßt mir soeben durch Sir W. Tyrrellsagen, er hoffe, mir heute nachmittag als Ergebniseiner soeben stattfindenden Ministerberatung Eröff-nungen machen zu können, welche geeignet wären,die große Katastrophe zu verhindern. Gemeint damitscheint zu sein, nach Andeutung Sir Williams, daß,falls wir Frankreich nicht angriffen, England auch neu-tral bleiben und die Passivität Frankreichs verbürgenwürde. Näheres erfahre heute nachmittag.
Eben hat mich Sir E. Grey ans Telephon gerufenund mich gefragt, ob ich glaubte, erklären zu können,daß für den Fall, daß Frankreich neutral bliebe ineinem deutsch -russischen Kriege, wir die Franzosennicht angriffen. Ich erklärte ihm, die Verantwortunghierfür übernehmen zu können, und wird er diese Er-klärung in der heutigen Kabinettssitzung verwerten.*)Nachtrag. Sir W. Tyrrell bat mich dringend, dahinzu wirken, daß unsere Truppen nicht die französischeGrenze verletzten. Alles hänge davon ab. Die fran-zösischen Truppen seien zurückgewichen bei einervorgekommenen Überschreitung. Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 1. 8. 1914
S ir William Tyrrell war eben bei mir, um mir zusagen, Sir E. Grey wolle mir heute nachmittag Vor-schläge für Neutralität Englands machen, selbst fürden Fall, daß wir mit Rußland wie mit Frankreich Krieg hätten. Ich sehe Sir E. Grey um 3 30 und werdesofort berichten. Lichnowsky.
*) Hier handelt es sich insofern um ein Mißverständnis, alsSir E. Grey gemeint hatte, daß wir dann überhaupt neutralbleiben sollten, d. h. auch in dem österreichisch-russischen Konflikt.
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