Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
284
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tung Englands , das durch keinerlei feste Abmachungengebunden sei. Sowie Frankreich ins Spielkäme, würde die öffentliche Meinungsich hier sehr erregen, welche vorläufignoch in keiner Weise gegen Deutschland Stellung gen ommen habe, und er müßte in derLage sein, gegebenenfalls mit irgendeinem greifbarenUnrecht auf russischer Seite eine zurückhaltende Stel-lungnahme Englands zu begründen. Er sprach diesesletzte Wort nicht direkt aus, aber gab es deutlich zuverstehen, daß er nur dann den Gedanken nicht so-fortiger Anteilnahme für Frankreich vertreten könne,wenn er auf irgendein greifbares Entgegenkommenhinzuweisen in der Lage sei. Er betonte immer wieder,daß England durch keinerlei Verträge gebunden wäre.Ich vermute, daß er seine ursprüngliche Anregung, diemilitärischen Operationen in Serbien einzustellen, imAuge hat, nach deren Übermittlung Ew. Exz. mich zuder Erklärung bevollmächtigten, daß Sie in diesemSinne in Wien zu wirken beabsichtigten.

Auch ich möchte meinen, daß, wenn Graf Berchtold sich auf die Wiederholung bekannter Erklärungen undErläuterungen beschränkte, Verhandlungen wenig aus-sichtsvoll sein werden, und daß die russische öffent-liche Meinung Vordringen österreichischer Heere inSerbien , verbunden mit der Zerstörung von Städtenund Ortschaften, nicht ertragen und die Regie-rung vielleicht gegen ihren Willen zum Eingreifenzwingen würde. Nach meiner Kenntnis Wiener Ver-hältnisse wird es nur ein sehr energischer, von Berlin ausgeübter Druck erreichen, daß man sich in Wien zueinem derartigen Zugeständnis entschließt, dessen Ge-währung für die zukünftige Haltung Englands imKriege, falls er trotzdem ausbrechen sollte, von aus-schlaggebender Bedeutung sein könnte. Lichnowsky,