AN DAS AUSWÄRTIGE AMT
iregungen Sir E. Greys, die auf Wunsch beruhten,
JT*. möglichst dauernde Neutralität Englands zu schaf-fen, sind ohne vorherige Fühlungnahme mit Frankreich und ohne Kenntnis Mobilmachung erfolgt, inzwischenals aussichtslos völlig aufgegeben. Bitte dringend Ant-wort, ob Telegramme 212, 214 und dringendes offenesTelegramm ohne Nummer eingegangen?
Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT
D ie Frage, ob wir bei dem Krieg gegen Frankreich das belgische Gebiet verletzen, dürfte von aus-schlaggebender Bedeutung für die Neutralität Eng-lands sein. Ich werde in diesem Eindruck sowohldurch die Äußerungen Sir E. Greys als durch Mit-teilungen der österreichischen Botschaft wie durchhiesige Presse bestimmt bekräftigt. Verletzen wir dieNeutralität Belgiens und entwickelt sich daraus einKrieg gegen die Belgier, so glaube ich nicht, daß dieRegierung gegenüber dem sich in der hiesigen öffent-lichen Meinung alsdann zu gewärtigenden Sturm inder Lage befinden wird, länger neutral zu bleiben.Sollten wir die belgische Neutralität hingegen achten,so ist es immerhin möglich, daß England neutralbleibt, falls wir beim Sieg über Frankreich maßvollvorgehen. Da man aber hier nunmehr glaubt, mit derVerletzung belgischer Neutralität rechnen zu sollen,so halte ich es nicht für unmöglich, daß England schon in nächster Zeit gegen uns Stellung nimmt.Heute Sonntag findet Kabinettssitzung statt, ein un-erhörtes Ereignis, und ich nehme an, daß man sichhierbei schon mit dieser Frage befassen wird.
Lichnowsky.
19 Lichnowsky II
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