Druckschrift 
2 (1927)
Entstehung
Seite
288
Einzelbild herunterladen
 

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT

London , 1, 8. 1914

W T estminster Gazette hält Lage für äußerst kri-»< W tisch. England müsse sich über Stellungnahmeklar werden. Premierminister habe im Unterhaus ein-mal ausgesprochen, daß England im Falle eines Kriegesdurch keinerlei Verträge zur Teilnahme gezwungensei. England habe also jetzt freie Hand, Deutschland müsse sich aber klarmachen, daß gewisse veröffent-lichte Verträge bestünden, deren Verletzung durchDeutschland England in eine schwierige Lage bringenwürde. Deutschland wisse ferner, daß ein deutsch-französischer Kampf Folgen haben könne, welche dieöffentliche Meinung in England entzünden und Eng-land zum Aufgeben seiner Neutralität bewegenkönnten. Ganz zu verwerfen sei der von mancherSeite gemachte Versuch, hier ein Kriegsfieber hervor-zurufen und den Plan zu propagieren, ein Expeditions-korps nach dem Kontinent zu schicken. England habean Pflichten seines Weltreichs zu denken, besondersan Sicherheit Ägyptens und Indiens. Englands Stärkeliege in seiner Seemacht, und diese müsse dazu dienen,den Frieden für England zu erhalten und den Kampfzwischen anderen Ländern in gewissen Gjrenzen zuhalten. Zwar liege auch in Friedenspolitik gewisse Ge-fahr, aber es sei doch sehr zu hoffen, daß England im-stande sein werde, seine Stelle als Versammlungsplatzderjenigen zu erhalten, welche den Frieden in Europa wünschen. Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 2. 8. 1914

W 'ie aus meinen letzten Telegrammen hervorgeht,ist die im dortigen Telegramm Nr. 206 nochmalsbesprochene Angelegenheit vollkommen erledigt undunsere Handlungsfreiheit dadurch nicht beschränkt.

Lichnowsky.

288